Brief an ein Kind
Andrea Ebenhöch • 9. März 2026
Eltern und Kinder

Wir brauchen als Kind Grenzen und Regeln von außen, um uns sicher zu fühlen und uns gut entwickeln zu können. Aber wenn wir älter werden, werden wir stärker und unsere Individualität nimmt zu. Das korreliert oft mit den Erwartungen unserer Eltern, natürlich auch der Gesellschaft, in der wir leben.
Elternschaft ist nicht immer leicht. Wir machen viele Fehler und sind manchmal unsicher und wenn wir gut hinsehen, können wir erkennen, dass wir sind wie unsere Eltern - fehlbar.
Das liegt einfach in der Natur der Dinge und der Dualität.
Wenn wir achtsamer und bewusster werden, erkennen wir die Verletzungen, die daraus resultieren und die Blockaden, die sich daraus entwickeln. Aber durch das Selbstmitgefühl mit unseren eigenen verletzten inneren Kindern, können wir mit der Zeit auch Mitgefühl für unsere Eltern entwickeln, die es oft nicht besser wussten oder konnten, weil sie emotional, mental oder physisch überfordert waren. (Psychopathen sin hier nicht gemeint)
Wenn ich denke, dass etwas so sein muß, z.B. ein Kind schreien lassen oder verhauen, weil das Umfeld es auch so macht, werde ich es genauso machen. Wenn ich selbst ein emotional ausgehungertes inneres Kind habe, werde ich mir schwer tun, auf dieser Ebene für mein Kind da zusein und wenn ich den ganzen Tag körperlich arbeite, bin ich wahrscheinlich physisch nicht in der Lage, mich zu kümmern.
Aus der inneren Kind Perspektive dürfen wir uns der eigenen Verletzungen bewusst werden. Sonst können sie nicht heilen. Sie müssen ans Licht gebracht werde, um heilen zu können, auch wenn es schmerzhaft ist. Wir müssen lernen Gefühle halten zu können, nicht aus-halten. Halten ist die bewusste Entscheidung, sie zu fühlen , während aushalten den Widerstand gegen das Gefühl beinhaltet. Es gilt, mit unseren Gefühlen zu sein (auch den „Schlechten“), sie im Körper zu spüren und sie nicht automatisch zu verdrängen, wenn wir sie nicht haben wollen. Wir müssen lernen, dass sie uns nicht umbringen, sondern befreien. Wir müssen lernen, die Wut, den Hass, die Trauer zulassen, ohne anderen damit zu schaden. Tun wir dies nicht, entwickeln sich diese Anteile zu unserem Schatten und wir projizieren sie in die Welt und auf andere Menschen.
Und wir müssen lernen, das ALLE Gefühle uns wertvolle Dienste erweisen und uns die Richtung zeigen, die für uns richtig ist.
Wir können diesen unheilvollen Kreislauf unterbrechen. Indem wir uns auf den Weg machen uns selbst zu er-kennen und uns und unseren Wunden mit Mitgefühl zu begegnen.
Du kannst den folgenden Brief nach deinen Bedürfnissen abändern.
Diesen Brief kannst du für dein inneres Kind lesen, als ob deine Eltern in vorlesen würden.
Du kannst ihn aber auch in Gedanken an deine Kinder schicken.
Brief an ein Kind :
Mein liebes Kind, es tut mir leid von Herzen leid, dass ich nicht besser für dich da war. Es tut mir leid, wenn ich meine Erwartungen auf dich projiziert habe. Es tut mir leid, wenn ich dich nicht wirklich gesehen habe und dir nicht zugehört habe. Es tut mir leid, wenn ich meinen Scheiß bei dir abgeladen habe. Es tut mir leid, wenn ich Dinge von dir erwartet habe, die nicht deinem Wesen entsprochen haben und diese erzwungen habe. Es tut mir leid, wenn ich dich emotional nicht halten konnte. Es tut mir leid, wenn ich dir Gewalt angetan habe, physisch, mental oder emotional. Es tut mir leid, wenn ich dich bestraft habe, weil ich keine bessere Lösung wusste. Es tut mir leid um viele falsche Worte und zu wenig von den richtigen. Es tut mir leid, wenn ich dich allein gelassen habe. Es tut mir auch leid, dass ich dir nicht die Liebe geben konnte, die du wirklich verdient hast.
